Dienstag, 8. März 2016

Meine Geschichte zum Weltfrauentag

Es ist schon wieder Weltfrauentag.

Immer wieder mal höre ich meinen Namen, wenn es um Frauen in Männerberufen geht. Ich als Vorzeigefrau. Die Frau die erst in der Baubranche erfolgreich Karriere gemacht hat und dann in der Informatik noch mal.

Aber zu welchem Preis? Das fragt selten jemand.

Mit einem IQ von über 145 gehöre ich auch noch zu den wenigen Höchstbegabten des Landes, die nicht in Alkohol, Drogen, Prostitution und tiefen Depressionen abgestürzt sind.

Aber zu welchem Preis?

1984 sollten ich im Deutschunterricht eine Argumentation zur Rentensituation in Deutschland schreiben. Meine Argumentation kam zu dem logischen Schluss, dass es sinnvoll wäre, das Rentenalter zu erhöhen.

Meine Deutschlehrerin gab mir dafür: Mangelhaft wegen asozialer Grundgedanken.
Ich war 15 Jahre zu früh.

So etwas passiert mir häufig. Früher nervte es, wenn mich meine Mitmenschen nicht verstehen wollten, heute sage ich meine Meinung und warte einfach ein paar Jahre, bis sie von selbst darauf kommen, dass ich damals recht hatte.

Gelassenheit will gelernt sein.

Zurück zu mir und meinem Beruf.

Ja, ich habe Karriere in der Baubranche gemacht. Ich wurde in der Baubranche auch absolut fair bezahlt. Es war egal, wie alt ich war, was für ein Geschlecht ich hatte. Was zählte, war, was ich im Kopf hatte. Vieler meiner männlichen Kollegen tanzten die Handwerker auf der Nase herum. Mir nicht. Ich hakte damals beim fast 40 Jahre älteren Bauleiter nach, warum er mir, die in der Projektleitung saß, nie auf der Nase herumgetanzt ist. Er antwortet, dass er jetzt schon über 40 Jahre in der Branche arbeiten würde und dabei eines gelernt hätte, immer, wenn man ihm eine Frau vor die Nase gesetzt hat, dann konnte die was; dann hatte sie verdammt viel Ahnung von dem, was sie machte. Bevor Frauen überhaupt auf diese Positionen kommen, müssen sie verdammt viel mehr Ahnung haben, als Männer. Und alles was ich angewiesen hätte, hätte Hand und Fuß gehabt. Ich wäre kein Ingenieur, der nur einen Titel und nichts dahinter hätte. Ich würde zu den Ingenieuren gehören, die auf Titel nichts geben, aber verdammt viel von der Materie verstehen.

Auf Grund eines Schicksalschlages wechselte ich zum Jahrhundertwechsel in die IT. Schon während des Studiums spezialisierte ich mich auf Datenbanken und Medienrecht / Datenschutz.

Unter den Programmierern der Datenbanksysteme und Betriebssysteme (Kernel-Programmierer) gab es keine Geschlechterdiskriminierung. Es wurde eh per Chat / E-Mail und meist mit Nicknamen kommuniziert. Das Geschlecht war egal. Anerkennung gab es für guten Code und böse Sprüche für schlechte Programmierung.

Anfangs hatte ich super Job,s bei denen die Bezahlung stimmte. Doch dann wurde meine Firma an einen IT-Riesen verkauft. Ich hatte die Abteilung gewechselt und sollte nach einer Einarbeitungszeit eigentlich erheblich mehr Geld bekommen. Von dieser Lohnerhöhung wollte die deutsche Personalabteilung nichts wissen. Kurzer Zeit später wurde dann der IT-Riese an einen weiteren IT-Riesen verkauft.

Vergleichbar männliche Kollegen bekamen 30% mehr Gehalt.

Mein amerikanischer Chef beschwerte sich bei der deutschen Personalabteilung. Er bekam daraufhin zu hören, dass er mir doch bitte nicht solche Aufgaben geben solle, sondern Aufgaben, die meinem Gehalt entsprächen.

Der Betriebsrat verstand überhaupt nicht, was wir machen. Hatte das Unternehmen doch bis lang in Deutschland fast nur Vertriebler gehabt. Und jetzt kamen plötzlich technische Mitarbeiter, die auch noch über ganz Deutschland verteilt und alle in internationalen Teams arbeiteten.

Ich selbst war mittlerweile als Expertin Mitglied bei DIN. Es gab Listen in der Personalabteilung, die mit dem Betriebsrat abgestimmt waren, was Mitarbeiter verdienen sollten.  Als extern anerkannte Expertin hätte mir das zweieinhalbfache Gehalt zugestanden. Aber weder der Betriebrat noch die Personalabteilung wollten verstehen, dass ich eine extern anerkannte Expertin sei. Mitglied bei DIN, Vorträge vor internationalem Publikum, Einladungen zu Konferenzen, das war alles eine Spur zu hoch für sie. Fairer Weise muss ich zugeben, sie hätten es wohl auch bei einem Mann nicht verstanden.

Egal wie sehr sich meine amerikanischen, schwedischen und finnischen Chefs für mich einsetzten, die Personalabteilung weigerte sich, mein Gehalt zu erhöhen.

Es gab sogar eine Gleichstellungsbeauftragte. Diese konnte zwar feststellen, dass hier eine ungleiche Bezahlung vorlag, hatte aber überhaupt keine Mittel, etwas dagegen zu unternehmen. Sie war lediglich Vorzeigeobjekt der Firma.

Da es auch noch an diversen anderen Ecken nicht passte, kündigten meine Kollegen und ich. Bis heute habe ich kein Zeugnis erhalten. Meine Chefs hatten das Unternehmen vor mir verlassen.

Nach der Miesere mit dem großen IT-Unternehmen, fing mich ein britisches Unternehmen auf. Auch hier wurde ich nicht diskriminiert und fair bezahlt.

Zwecks Promotion nahm ich eine Stelle an der Uni an. Auch hier gab es Null Geschlechterdiskriminierung.

In den kleinen deutschen Unternehmen in den ich tätig war bzw. jetzt bin, habe ich nie Geschlechterdiskriminierung verspürt.

Es sind nicht die Kleinen, die Frauen schlechter bezahlen, es sind die Großen. Und trauriger Weise ist die Diskriminierung in Deutschland stärker als in den USA oder England.

Was hat mich meine Karriere noch gekostet?

Mein Traum war es nie, Karriere zu machen. Ich wollte eigentlich immer eine Familie. Einen Mann, zwei bis drei Kinder, die ich großziehe, mich um meine Familie kümmern und mich sozial, ehrenamtlich engagieren.

Einen Mann zu finden war schon schwierig.

Freunde sind häufig auf der Strecke geblieben.

Einsam bin ich nicht, auch wenn meine Freunde rund um den Globus verteilt sind. Gleich und Gleich gesellt sich gern, daher besteht mein Freundeskreis aus vielen Höchstbegabten, rund um den Erdball. Ihre Geschichten sind alle sehr interessant. Wir kümmern uns gerne umeinander, wie in einer Familie.

Was möchte ich jetzt am liebsten machen?
Das versuche ich gerade herauszufinden.

Was habe ich?
Endlich einen Teilzeitjob. Ein wirklich super Team. DANKE nach Oldenburg.
Endlich Zeit für mich und meine kleine Familie. Endlich etwas mehr Zeit für soziale Projekte. Endlich Zeit zum Nachdenken, wo mich das Leben noch hinführen soll.

Was möchte ich fördern?
Familienrecht. Die Familie ist heilig und soll geschützt werden. Die Menschen müssen lernen, wieder mehr als Familie zu denken, statt jeder nur für sich.